1858: Noch kein Kölsch – aber der Anfang einer Legende
Als Hubert Koch 1858 am Heumarkt seine Brauerei gründete, wusste er vermutlich nicht, dass daraus einmal eines der bekanntesten Brauhäuser Kölns entstehen würde.
Damals wurde hier noch kein „Kölsch“ im heutigen Sinne gebraut. Der typische helle Kölsch-Stil entwickelte sich erst Jahrzehnte später, Anfang des 20. Jahrhunderts. Gebraut wurde obergäriges Bier – unter anderem Malzbier, das im 19. Jahrhundert sehr beliebt war.
Der Name „Malzmühle“ geht übrigens auf eine historische Mühle am Heumarkt zurück, die bereits im 16. Jahrhundert Getreide mahlte. Der Standort war also schon lange vor der Brauerei mit Malz verbunden.
Vom Familienbetrieb zur Institution
1912 übernahm die Familie Schwartz die Brauerei – und führte sie über Generationen hinweg.
Der Zweite Weltkrieg zerstörte große Teile des Gebäudes. Doch wie so vieles in Köln wurde auch die Malzmühle wieder aufgebaut.
In der Nachkriegszeit entwickelte sich das Mühlen Kölsch zu einer festen Größe in der Stadt. Die Malzmühle war kein Industriekonzern, sondern ein echtes Kölner Familienunternehmen – und genau das machte ihren Charakter aus.
Bis 2022 wurde weiter am Heumarkt, mitten in der Kölner Altstadt gebraut.
2022: Die Malzmühle übernimmt Sünner
Dann kam eine überraschende Nachricht:
Die Brauerei zur Malzmühle übernahm die Brauerei Sünner.
Und das ist historisch bemerkenswert.
Sünner, gegründet 1830, gilt als die älteste noch produzierende Brauerei Kölns.
Die Malzmühle, gegründet 1858, die zweitälteste.
Damit übernahm die zweitälteste Brauerei die älteste – ein symbolträchtiger Moment für die Kölner Brauwelt. Und genau so benannte die Brauerei zur Malzmühle die neu übernommene Brauerei Sünner um: Brauwelt Köln
Dort wurden dann unter Anderem Mühlen Kölsch und Sünner Kölsch parallel gebraucht. Mit Sünner wurde aber nicht nur die älteste Brauerei Kölns, sondern auch die einzige Brennerei der Stadt, die von Maische bis Abfüllung alle Produktsschritte selbst ausführen kann, übernommen.
Für Gäste im Brauhaus änderte sich nichts: Das Kölsch schmeckte wie immer. Aber wirtschaftlich war es ein bedeutender Schritt, um zwei traditionsreiche Marken langfristig zu sichern.
Vertrieb über Gaffel – neue Kapitel für Mühlen Kölsch
Im Juni 2025 folgte der nächste Paukenschlag: Die Brauerei zur Malzmühle kündigte an, dass ihre Traditionsmarke Mühlen Kölsch künftig von der Privatbrauerei Gaffel gebraut und vertrieben wird. Auch die Markenrechte gingen an Gaffel über.
In der Brauwelt Köln werden weiterhin unter anderem Sünner Kölsch und Koch’sches Malzbier produziert – doch Mühlen Kölsch entsteht nun bei Gaffel in Gremberghoven.
Für den Gast am Tisch bleibt es dennoch ganz einfach:
Ist die Stange leer, bringt der Köbes die nächste.
Prominente Gäste: Wenn Weltpolitik auf Kölsch trifft
Die Malzmühle war immer mehr als nur ein Brauhaus. Sie war – und ist – Bühne.
Bill Clinton
Als der ehemalige US-Präsident Bill Clinton Köln besuchte, kursierte in der Stadt die Geschichte, er habe ursprünglich im legendären „Lommi“ einkehren wollen. Doch nachdem Hans Lommerzheim angeblich nicht bereit war, für den Präsidenten sein Lokal zu räumen, führte der Weg schließlich in die Brauerei zur Malzmühle.
Ob Legende oder nicht – das Bild ist köstlich: Ein amerikanischer Präsident, umringt von Sicherheitspersonal, sitzt mit einer schmalen Kölschstange am Tisch. Und wahrscheinlich musste ihm erst jemand erklären, dass man in Köln nicht aktiv nachbestellt – solange der Bierdeckel nicht auf dem Glas liegt, kommt automatisch Nachschub.
Pink
Auch die Sängerin Pink war bereits in der Malzmühle zu Gast.
Weltstar trifft Brauhaus. Kein VIP-Bereich, kein roter Teppich – sondern Holzstühle, Köbes und Kölsch im Sekundentakt. Der Köbes soll sie angeblich erst erkannt haben, nachdem andere Gäste ihn darauf aufmerksam machten, wen er da eigentlich bedient.
Genau das macht den Reiz aus:
In Kölner Brauhäusern verschwimmen Hierarchien. Politiker, Popstars, Touristen und Stammgäste sitzen oft nur wenige Tische voneinander entfernt.
Das Brauhaus heute
Wer heute die Malzmühle betritt, erlebt:
- dunkles Holz
- lebendige Gespräche
- klirrende Kölschstangen
- klassische rheinische Küche
Die Lage am Heumarkt macht sie zu einem der zentralsten Brauhäuser der Altstadt.
Und obwohl sich Eigentümerstrukturen, Vertrieb und Marktbedingungen verändert haben, bleibt das Erlebnis erstaunlich konstant.
Warum die Malzmühle auf keiner Brauhaustour fehlen darf
Die Geschichte der Malzmühle ist mehr als eine Brauereigeschichte.
Sie erzählt von:
- der Entwicklung des Kölsch
- dem Wiederaufbau nach dem Krieg
- Familienunternehmen
- Strukturwandel
- prominenten Gästen
- und der besonderen Kultur der Kölner Brauhäuser
Genau solche Geschichten machen eine echte Brauhaustour aus.
Denn was viele als „Brauereiführung“ suchen, ist in Wirklichkeit eine Reise durch Kölner Stadtgeschichte – mit einem frisch gezapften Kölsch in der Hand.
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